the question is: who cares?

ortsspezifische Text-Raum-Intervention 2017, Schriftzug aus Holzbuchstaben, 12x9m

 
Reichenfeld Areal, Feldkirch



Vormals für viele „undenkbar“ ist heute für alle Realität. Besonders junge Menschen lernen in einer mit 140 Zeichen (Tweetlänge) kommentierten Bilderflut eine Gegenwart kennen, die Terror als verbindendes Merkmal von Weltstädten erlebt, die Ignoranz in höchsten politischen Ämtern als populäre Strategie akzeptiert oder die einen europäischen Basar über Fluchtbewegungen beobachtet. Vor diesem Hintergrund ist der öffentliche Raum vollends zu einem Erzählraum unter vielen – weit wirksameren – anderen verkommen, der seine Bedeutung als gesellschaftlich notwendiges Medium der Kommunikation und Information weitgehend verloren hat. Angesichts des absoluten Verlustes von Erzählexklusivität stellt sich die Frage, worin der Anspruch in der allgemeinen Überlagerung von bebilderter Information zu suchen ist.

 

Wie vermag Kunst im öffentlichen Raum nicht nur Orte des Verweilens im Sog der gesellschaftlichen Geschwindigkeit zu schaffen, sondern auch Orte der sinnlichen Wahrnehmung und des Diskurses? Wie dem unfreiwilligen Blick des Publikums ein Wahrnehmungs- und Nachdenkereignis präsentieren abseits von moderner Stadtmöblierung? Reicht die gerechte Verweigerung von John Cage „I Have Nothing To Say And I Am Saying It ...“? Oder ist im medialen Zeitalter Selbstständigkeit und Selbstbestimmung neu zu denken, nicht etwa als Subjektzentrierung, sondern durch Intensivierung der Teilnahme?